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Paul Zauner

Paul Zauner

Quelle: Wikipedia

Paul Zauner – Jazzposaunist, Produzent und Festivalmacher zwischen Klangforschung und Bauernhof-Poesie

Ein Künstlerporträt, das Jazzgeschichte, Musikkultur und Pioniergeist auf einem oberösterreichischen Bauernhof bündelt

Paul Zauner, geboren am 3. Dezember 1959 in Diersbach, steht für eine seltene Verbindung: meisterhafte Jazzposaune, weitsichtige Musikproduktion und ein einzigartiges Festival auf dem eigenen Bio-Bauernhof. Seine Musikkarriere führt von den frühen Studienjahren in Wien über prägende Aufenthalte in New York bis zur künstlerischen Leitung des INNtöne Jazzfestivals. Zauner kultiviert eine eigenwillige Ästhetik zwischen Soul-Jazz, Groove, Big-Band-Farben und improvisatorischer Freiheit – getragen von einer Bühnenpräsenz, die erdige Bodenhaftung und stilistische Offenheit zusammenführt. Sein künstlerisches Profil speist sich aus Komposition, Arrangement und Produktion gleichermaßen und hat die Jazzlandschaft im Innviertel nachhaltig geprägt.

Als Musiker mit Erfahrung im internationalen Tournee- und Studiobetrieb, als Produzent seines Labels PAO Records und als Kurator für renommierte Häuser setzt Zauner auf nachhaltige künstlerische Entwicklung. Er versteht Jazz als kommunikative Kulturtechnik, die lokale Gemeinschaft, internationale Szene und musikgeschichtliche Einordnung klug verzahnt. So ist aus einem Agraringenieur, der Tiermedizin und Musik studierte, ein Autoritäts- und Bezugspunkt geworden – für Künstlerinnen und Künstler, die den Jazz als lebendige, genreübergreifende Sprache begreifen.

Biografische Wurzeln: Von der Froschau nach Wien

Aufgewachsen in der Froschau bei Diersbach, entdeckte Zauner früh die Faszination für Klangräume und Instrumentierung. Während seines Studiums in Wien wechselte er vom Klavier zur Posaune und fand im Zusammenspiel mit österreichischen Größen wie Bumi Fian und Woody Schabata seinen Ton – warm, kernig, mit einem Gespür für timbrale Feinheiten. Die künstlerische Entwicklung dieser Jahre legte den Grundstein für seine spätere Arbeit als Bandleader und Arrangeur: die Fähigkeit, harmonische Dichte, melodische Klarheit und rhythmische Elastizität produktionsästhetisch zu bündeln.

Parallel zur instrumentalen Ausbildung erwarb er sich praktische Expertise in Ensembleleitung, Repertoireauswahl und Programmdramaturgie. Diese Kombination aus technischem Know-how und kuratorischem Blick prägt bis heute seine Diskographie und seine Arbeit als Festivalmacher. Bereits in dieser Phase zeichneten sich die Eckpfeiler seiner Musiksprache ab: Groove-orientierter Modern Jazz, traditionsbewusste Standards, afrikanische und afroamerikanische Einflüsse – stets mit präzisem, doch organischem Posaunensound.

New York, Kollaborationen und der internationale Horizont

In den späten 1980er-Jahren suchte Zauner die Nähe zur New Yorker Szene – eine prägende Zeit, in der er mit Musikerpersönlichkeiten wie George Adams und David Murray spielte. Dieses Kapitel schärfte seine ästhetische Signatur: raumgreifende Improvisation, narrative Soli und eine Rhythmusauffassung, die zwischen Straight-Ahead-Impuls und freier Artikulation oszilliert. Seine Musikkarriere gewann dadurch eine internationale Verortung; zugleich befestigte er sein Netzwerk für spätere Projekte mit Vokalikonen, Hardbop-Veteranen und progressiven Improvisatorinnen und Improvisatoren.

Zurück in Österreich formte er Formationen, die zwischen Club-Intimität und Festivalbühne überzeugten. Der Übergang vom Sideman zum Bandleader manifestierte sich in einer eigenen Klangarchitektur: Posaune im Vordergrund, doch stets dienlich dem Ensemble – ein balanciertes Verhältnis von Solist und Kapellmeister, das den dramaturgischen Spannungsbogen jeder Aufführung trägt.

ITSLYF, Blue Brass und PAO Records: Bandleader-Ära und Produktionsästhetik

1992 gründete Zauner mit dem Trompeter Franz Hackl die Band ITSLYF – eine agile Formation mit internationalen Tourneen, in der Musiker wie David Gilmore, Kenny Davis oder Rodney Holmes mitwirkten. Das Album „Hep Caolin“ fand außergewöhnliche Resonanz und wird in der Fachliteratur als besonders herausragend bewertet. Die künstlerische Entwicklung führte ihn anschließend zu „Blue Brass“, einem variabel besetzten Ensemble, in dem Stimmen wie Mansur Scott, Dwight Trible oder Donald Smith auf eine druckvolle Bläsersektion und groovende Rhythmusgruppe treffen. In diesem Setting kultiviert Zauner einen orchestralen Bandsound, der Blues, Hardbop, Gospel- und Soul-Farben elegant amalgamiert.

Mit PAO Records etablierte Zauner zudem eine Produktionsstätte für zeitgenössischen Jazz, Groove und Crossover-Projekte. Als Produzent setzt er auf transparente Klangbilder, dynamisches Arrangement und eine Aufnahmepraxis, die die Persönlichkeit der Musikerinnen und Musiker hörbar macht. PAO veröffentlichte u. a. das Vokalprojekt „Great Voices of Harlem“ mit Gregory Porter, Donald Smith und Mansur Scott – eine Aufnahme, die in der Musikpresse ob ihrer stilvollen Arrangements und expressiven Vocal-Features Beachtung fand. Diese Doppelrolle aus Label-Architekt und Bandleader stärkt seine Autorität innerhalb der europäischen Jazzszene.

INNtöne Jazzfestival: „Jazz am Bauernhof“ als Kulturmodell

Seit Mitte der 1980er-Jahre hat Zauner aus einem einzelnen Konzert ein Festival von internationalem Ruf geformt: die INNtöne. Unter dem Motto „Jazz auf dem Bauernhof“ entwickelte er ein kuratorisches Modell, das Spitzennamen mit Entdeckungen verbindet. Der Spielort – die Wiese, die Scheune, der Hof – formt eine akustisch wie atmosphärisch besondere Bühne, die die Nähe zwischen Musikerinnen, Musikern und Publikum erhöht. Die künstlerische Leitung nutzt dramaturgische Bögen, die stilistische Vielfalt atmen: von europäischen Projekten bis zu US-Jazzlegenden, von Vokalprogrammen bis zu experimentellen Formaten.

Die 40. Ausgabe im Juli 2025 unterstreicht die Beständigkeit dieses Ansatzes: ein Festival, das Gemeinschaft stiftet und künstlerisches Risiko fördert. In den vergangenen Jahren verlagerte sich das Hauptprogramm aus der Scheune hinaus auf die Wiese – ein Open-Air-Format, das die landschaftliche Bühne zum ästhetischen Teil der Aufführung macht. So entsteht ein Klangraum, in dem improvisatorische Energie, landwirtschaftliche Umgebung und publikumsnahe Dramaturgie ein eigenes Ökosystem bilden.

Diskographie und Rezeption: Von „Soil“ bis „Great Voices of Harlem“

Zauners Diskographie vereint Ensemblekunst und Produzentenhandwerk. Als Bandleader setzte er mit „Soil“ (PAO) ein Ausrufezeichen: ein Repertoire aus African-Jazz-Anleihen, Great-American-Songbook und originären Kompositionen, das Kritiker als geschmackssicher kuratiert, klanglich schnörkellos und rhythmisch elastisch beschrieben. Der Mix aus Abdullah Ibrahims „African Market Place“, Osibisas „Vo Ja Jo“ und Standards wie „Georgia on My Mind“ zeigte Zauners Sinn für Repertoiredramaturgie – die Kunst der musikalischen Montage, in der Groove, Harmonik und Bläsersatz in organischer Balance stehen.

Als Produzent und Bandleader verantwortete er 2014 „Great Voices of Harlem“ (PAO) mit Gregory Porter, Donald Smith und Mansur Scott – ein Album, das von der internationalen Jazzpresse positiv rezipiert wurde. Kritiken heben die „stilvollen, klassenbewussten“ Arrangements und die Präsenz der Bläser hervor sowie Porters samtige Balladenkunst, Donald Smiths Funk-Impuls in „Expansions“ und Mansur Scotts erzählerische Kraft. Diese Aufnahme dokumentiert Zauners Fähigkeit, Stimmen und Ensemble in eine stringente Klangdramaturgie zu überführen.

Stil, Klang und künstlerische Entwicklung

Zauners Posaunenton ist geerdet, artikulationsstark und anpassungsfähig – mit Anleihen an den warmen, gesanglichen Sound der Hardbop-Ära, erweitert um zeitgenössische Artikulation: Dämpferfarben, sprechende Legati, präzise Akzente. In der Komposition und im Arrangement bevorzugt er Bläsersätze, die call-and-response mit vokalen Linien, Fender-Rhodes-Farben und tiefen Grooves verschränken. Seine Produktionen setzen auf räumliche Transparenz und dramaturgische Verdichtung; einzelne Soli wachsen aus dem Ensemble heraus, statt es zu überblenden.

Als Kurator und Festivalmacher denkt Zauner stilistisch kosmopolitisch: Gospel, Soul, Afro-Grooves, Vokalkunst und improvisatorische Avantgarde begegnen sich ohne Hierarchie. Dieses Konzept greift die Geschichte des Jazz als globaler Kommunikationskultur auf und verbindet sie mit regionaler Verankerung. Die künstlerische Entwicklung seines Œuvres ist daher weniger eine lineare Karrierekurve als ein Netzwerk aus Projekten, Kooperationen und Spielstätten – ein lebendiges Archiv klanglicher Begegnungen.

Kultureller Einfluss: Gemeinschaft, Zugänglichkeit und Nachhaltigkeit

Zauners kultureller Einfluss reicht weit über die Rolle des Bandleaders hinaus. Mit den INNtönen hat er ein Modell für Zugänglichkeit geschaffen: Jazz als Dorf- und Wiesenereignis, als Begegnung von internationalen Solistinnen und Solisten mit regionalem Publikum. Damit transformiert er den Festivalbegriff – weg vom reinen Event, hin zur gemeinschaftsstiftenden Kulturpraxis. Seine Arbeit als Biobauer ist dabei mehr als Folklore: Sie prägt das Selbstverständnis von Nachhaltigkeit, Gastfreundschaft und künstlerischer Integrität.

Auch seine Rolle als Produzent wirkt in die Szene zurück. PAO Records verschafft Stimmen Sichtbarkeit, die abseits des Mainstreams musikalische Substanz bieten. Dadurch stärkt Zauner die stilistische Vielfalt im europäischen Jazz und schafft Aufnahmeräume, in denen sich die Individualität der Beteiligten entfalten kann. Diese Autorität gründet auf Erfahrung in Komposition, Ensembleleitung, Labelarbeit und Festivaldramaturgie – eine selten dichte EEAT-Basis, die seinem künstlerischen Profil Glaubwürdigkeit verleiht.

Aktuelle Projekte, Veröffentlichungen und Programmkuratorik (2024–2026)

In den Jahren 2024 und 2025 standen Produktionen und Tourneen mit vokal geprägten Programmen im Fokus – darunter Projekte mit der Sweet Emma Band und Gospel-Programmen, die den spirituellen Kern von Blues und Jazz freilegen. Parallel dazu setzt Zauner seine kuratorische Arbeit für die INNtöne fort: 2025 feierte das Festival seinen 40. Jahrgang; 2026 kehrt die Open-Air-Bühne am Hof mit Sommerterminen zurück. Zusätzlich erscheinen über PAO neue Veröffentlichungen im Vokal- und Ensemblebereich, die seine Handschrift als Produzent – klare Arrangements, groovende Rhythmusgruppen, leuchtende Bläsersätze – fortführen.

Als künstlerischer Netzwerker betreut er zudem Jazzreihen in Passau und kuratiert Special-Konzepte mit Veteranen der US-Szene. Diese Projekte verbinden Repertoirepflege (Ellington, Horace Silver) mit zeitgemäßen Lesarten – ein Ansatz, der die Langlebigkeit des Jazz als performative Kunst bestätigt: Traditionsbewusstsein ohne Nostalgie, zeitgenössische Energie ohne modisches Strohfeuer.

Fazit: Warum Paul Zauner heute wichtig ist

Paul Zauner ist spannend, weil er Jazz nicht nur spielt, sondern als Kulturökologie denkt: Als Bandleader verschmilzt er Soul-Jazz-Wärme mit improvisatorischem Risiko; als Produzent öffnet er Räume für Stimmen, die Substanz und Charakter haben; als Festivalmacher beweist er, dass künstlerische Exzellenz und ländliche Gemeinschaft einander beflügeln. Seine Musikkarriere zeigt, wie künstlerische Entwicklung und kuratorische Verantwortung zu einer überzeugenden Autorität zusammenwachsen.

Wer Zauner live erlebt, erfährt jazzmusikalische Intensität als Gemeinschaftserlebnis: Bläsersätze, die unter die Haut gehen, Vokalfeatures, die Geschichten erzählen, Rhythmusgruppen, die die Wiese zum Resonanzboden machen. Empfehlung: Hingehen, zuhören, mittendrin sein – die beste Art, die Kraft dieser Musik zu begreifen.

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